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Bernina Glaciers

Gletscherweg Morteratsch

Intro

Liebe Morteratschwanderer, lieber Literaturfreund, herzlich willkommen. Es freut uns, dass Sie gemeinsam mit uns den 16 Stationen des Gletscherwegs folgen und dabei nicht nur viel über Glaziologie, Geologie und die Kulturgeschichte des Tals erfahren, sondern auch in dazu passende Geschichten eintauchen.

2. Stele 1880

Seit den frühen 1880er-Jahren wohnte die englische Bergsteigerin, Autorin und Fotografin Elizabeth Main während gut zwei Jahrzehnten die meiste Zeit des Jahrs über im Engadin, genauer im Kulm Hotel in St. Moritz. In ihren zahlreichen und viel beachteten Publikationen rund um den Alpinismus geht es Main darum, Vorurteile auszuräumen und eine möglichst breite Leserschaft für die Schönheit der Berge zu begeistern.

4. Stele 1920

Auch mitten während des Ersten Weltkriegs treffen sich Erholungssuchende aus aller Welt hier oben bei «den Sorglosen». Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig etwa begegnete dieser Sorglosigkeit mit kritischer Distanz, der Autor Arthur Neustadt mit unwiderstehlicher Komik. «Mr. Fips in St. Moritz» heisst sein Erfolgsbuch, das erstmals 1917 erschien – eine gelungene Satire auf Kriegsgewinnler, Snobs und Hochstaplerinnen.

6. Stele 1950

Alphonse Daudets «Tartarin», der sich durch die Schweizer Berge kämpft, ist wohl eine der bekanntesten und komischsten Figuren der alpinen Literatur – erfunden in den 1880er Jahren. Wunderbar etwa die Szene, als Tartarin in voller Bergsteigermontur die Rigi erklimmt, denn der Gute findet es lächerlich «im Fahrstuhl auf die Alpen zu klettern».

8. Stele 1970

Nach den leisen Anfängen im 18. hatte die Bergliteratur im 19. Jahrhundert Konjunktur. Seither murmeln überall die Bächlein, rauschen die Lärchenwipfel, glühen die Alpenrosen und lockt das ewige Eis der Gletscher. Die immer gleiche Sprache lässt die Natur hinter Klischees verschwinden. So beklagt denn auch der Lyriker Robert Gernhardt, der in den 1970er-Jahren insbesondere mit Nonsens-Versen und Humoristischem von sich hören machte, dass das Schreiben eines Berggedichts ein «vergebliches Vorhaben» sei…

10. Stele 1985

Das Museum Alpin in Pontresina hütet Geschichten und Schicksale. Einer, der zu diesen Geschichten einen wesentlichen Beitrag geleistet hat, ist der englische Wissenschaftler und Bergpionier John Tyndall. Gemeinsam mit den Herren Hutchinson und Lee Warner unternahm er 1864 eine denkwürdige Tour auf den Piz Morteratsch. Begleitet wurden die Bergsteiger von den beiden Führern Walter und Jenni, die zu den mutigsten Männern in Pontresina zählten…

12. Stele 1995

Die Kraft der Berge mit seiner Kamera festzuhalten, war für den Alpinisten, Schriftsteller und Hochgebirgsfotografen Theodor Wundt ein zentrales Anliegen. Die Berge verkörperten für ihn ein starkes Symbol der Freiheit. Dass die Berge den Menschen auch an den Rand seiner Kräfte bringen können, beschreibt Wundt 1917 anlässlich einer eindrücklichen Überquerung des Morteratschgletschers…

14. Stele 2005

Giovanni Segantini, bekannt dafür, bei Wind und Wetter im Freien zu malen, war im August 1894 mit seiner Familie von Savognin nach Maloja gezogen. Angeregt vom Ruhm des Künstlers beauftragten ihn die Oberengadiner Hoteliers für die Weltausstellung in Paris 1900 ein beeindruckendes Panorama des Hochtals zu schaffen. Als das Geld für das Grossprojekt nicht zusammengebracht werden konnte, einigte man sich auf ein Triptychon. So entstanden die Bilder «Werden – Sein – Vergehen», die heute im Segantini-Museum in St. Moritz zu sehen sind.

16. Stele 2015

Verabschieden möchten wir uns mit einem letzten humoristischen Gedicht, einem so genannten«Klapphornvers», wie er schon im 19. Jahrhundert beliebt war und immer mit zwei Knaben beginnt…

1. Stele 1860

Als in Pontresina in den 1850er Jahren die ersten Gasthöfe und Hotels entstanden, weilte auch der Leipziger Künstler Wilhelm Georgy im Dorf. Georgy war mit der Bebilderung von Friedrich von Tschudis «Tierleben der Alpen» betraut und kam erstmals 1854 ins Engadin, um Tiere und Pflanzen besser kennen zu lernen. Dass man sich unter Hotel aber keineswegs immer ein gemütliches Haus mit hübschen Zimmern und weichen Betten vorstellen darf, zeigt Georgys Geschichte vom «Hotel Granitblock» beim Morteratschgletscher.




3. Stele 1900

Anna Weidenmüllers pietistisch angehauchter Roman «Piz Zupô. Eine Geschichte aus dem Touristenleben» ist im Engadin der Belle Époque angesiedelt. Wie es sich für jene Zeit gehört, beschreibt die Autorin blumig die Welt der Grand Hotels und der dazugehörigen Gesellschaft.

5. Stele 1940

Ulrich Becher siedelt seinen fulminanten und tiefgründigen Roman «Murmeljagd» im Engadin der späten 1930er-Jahre an. In dieser Zeit ist das Hochtal nicht nur Erholungsort, sondern wird für manche zum Exil. So auch für die Hauptfigur des Buchs, den Wiener Journalisten Albert Trebla, der im Frühjahr 1938 mit seiner Frau auf Umwegen nach Pontresina flüchtet.

7. Stele 1960

Der Engadiner Alltag ist von vielen Sprachen geprägt, doch auch Berg und Gletscher  verlangen nach einer eigenen Sprache. Entsprechend mussten die Pioniere der Alpendichtung, allen voran Albrecht Haller mit seinem 1729 verfassten Gedicht «Die Alpen», erst nach einer passenden Sprache suchen, um Schönheit und Nutzen der Berge zu besingen. Auch glaubten sich die ersten Naturforscher dafür rechtfertigen zu müssen, dass sie nichts weniger als ihr Leben riskierten, um mehr über Gletscher und Gipfel zu erfahren. So beginnt etwa der Bündner Historiker, Politiker und Naturfreund Johann Baptist von Tscharner seine in Hexameter gefasste Dichtung «Die Bernina» von 1786 mit der bedeutsamen Frage, lohnt es sich…

9. Stele 1980

Wohl erstmals hat der Celeriner Pfarrer Ernst Lechner in seinem fundierten Buch über «Piz Languard und die Bernina-Gruppe bei Pontresina» von 1858 die Sage um die Morteratsch- Jungfer schriftlich festgehalten. Zwanzig Jahre später findet diese Eingang in Dietrich Jecklins dreibändige Geschichten- und Märchensammlung «Volksthümliches aus Graubünden». Seither ist die Sage, wie wir bereits gehört haben, in aller Munde. Hier erzählen wir Ihnen Dietrich Jecklins schöne Fassung…

11. Stele 1990

Das Engadin war schon immer ein bewegtes Tal: Als Söldner, Zuckerbäcker und Kaffeeröster zogen die Engadiner aus und kamen wieder zurück, investierten das anderswo verdiente Geld in prachtvolle Häuser und in den aufstrebenden Tourismus. Entsprechend gehören Fremdsein und Heimischwerden im Engadin seit jeher eng zusammen. Gerade dieses Sowohl-als-auch beschreibt der gebürtige Berner Schriftsteller und Theaterschaffende Guy Krneta in seinem Text «Yin Yang» von 2004…

13. Stele 2000

Auch Bergsteiger sind den leiblichen Genüssen zugetan. Von frühen Gipfelstürmern wissen wir, dass sie schon einmal eine Flasche Champagner im Gepäck hatten oder genauer, sich diese von einem Träger hinaufbuckeln liessen. Der Geograph, Forschungsreisende und Alpinist Paul Güssfeldt berichtet 1869 von einem kulinarisch ansprechenden Abend in der Boval-Hütte bei heisser Schokolade, Wein und Zigarre…

15. Stele 2010

In unserem Sprachgebrauch hat der Gletscher Zungen und Münder. Dass er Geschichte und Geschichten erzählen kann, haben wir wortreich gehört. Dass er aber auch schreit, legt uns der Schriftsteller und Kabarettist Franz Hohler in seinem Text «Der Gletscher» von 2010 nahe…

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